13. August 2026

Digital Detox und doch keine Langeweile

Was passiert, wenn man das ständige Bildschirmflimmern gegen das leise Knistern eines Holzfeuers tauscht? Wenn keine Benachrichtigungen den Takt des Tages vorgeben, sondern der Nebel, der über die Bündner Bergspitzen zieht?
Antonio kann maximal drei Wochen Ferien am Stück nehmen und so hat er wieder eine Woche gearbeitet und nun beginnt unsere letzte Ferienwoche ganz im Zeichen der Entschleunigung:
Ein Experiment auf dem Maiensäss oberhalb von Vals – Digital Detox, Natur pur und die Rückbesinnung auf das Wesentliche. Selbst dieser Bericht entstand ganz entschleunigt mit Stift auf Papier. Dass Silvias Handschrift vom Computer danach nicht als die schönste im ganzen Land eingestuft wurde und das Korrigieren daher etwas Mühe bereitete, war eine charmante Begleiterscheinung dieses Abenteuers.

Die Flucht aus dem Alltag & Pack-Chaos

Samstag, 25.07.2026

Am Samstag erledigten wir noch alle digitalen Pendenzen, kauften ein, verluden die Velos und packten gefühlt den halben Haushalt in unser Büssli. Schliesslich muss man gerüstet sein, um sich die Zeit ohne digitale Medien um die Ohren zu schlagen! So viel Gepäck haben wir sonst nicht einmal für drei Wochen Ferien dabei.

Am Abend fuhren wir durch die engen, imposanten Schluchten nach Vals. Nach dem Besuch bei der Familie war der frisch gebackene Brombeerkuchen schon fast wieder aufgegessen. Im Gegenzug wurden wir mit frischem Gemüse aus dem Garten und köstlichen Brownies von Silvias Eltern eingedeckt.

Auf 1’720 m.ü.M. angekommen, zeigte das Thermometer kühle 15 °C. Wir entfachten daher ein erstes gemütliches Feuer im Holzofen, richteten uns ein und hüpften voller Vorfreude ins Bett.

Nebelzauber & kulinarische Experimente

Sonntag, 26.07.2026

Erst kurz vor 10:30 Uhr krochen wir an diesem regnerischen Tag aus den Federn. Die mystische Stimmung mit der sich ständig verändernden Nebelkulisse war schlichtweg bombastisch und begleitete uns den ganzen Tag.

Am Mittag versuchte sich Antonio am Keramikgrill, während Silvia das Feuer im Stubenofen reanimierte. Beide brauchten ein paar Anläufe, bis der Erfolg sichtbar wurde. Nach einem leckeren Mittagessen mit Spareribs, Chips und Salat genossen wir das letzte Stück des Brombeerkuchens. Auf einer Erkundungstour rund ums Haus entdeckten wir zudem einen reich tragenden Himbeerstrauch, aus dessen Früchten wir sogleich eine köstliche Marmelade kochten.

Aus dem gut gefüllten Fundus des Maiensäss suchten wir ein passendes Buch für Antonio aus „Urchigi Lüt – Geschichten im Valserdialekt“; Silvia hatte ihre Lektüre bereits von zu Hause mitgebracht. Immer wieder unterbrachen wir das Lesen, um draussen das faszinierende Zusammenspiel von Regen und Nebel zu bestaunen. Dass bei dieser schlechten Sicht überhaupt ein Helikopter flog, erstaunte uns sehr.

Am Abend probierten wir die frische Konfitüre auf Antonios Zopf – einfach himmlisch! Ein Schnäpschen, ein warmer Tee und schon wurde weitergelesen. Wobei das nicht ganz stimmt: Antonio las, während Silvia schrieb (natürlich nicht denselben Text).

Zum Abschluss spielten wir eine Runde UNO Flip und entfernten endlich den Kleber mit der Aufschrift „Pakasch“ – nun wissen wir ja garantiert, von wem wir dieses unterhaltsame Spiel geschenkt bekommen haben!

Funkelnder Rausch & Bergkristalle

Montag, 27.07.2026

Eigentlich stand eine Wanderung auf dem Programm, doch der Nebel war so dicht, dass wir kaum die eigene Hand vor den Augen sehen konnten. Gut, das ist vielleicht etwas übertrieben, aber an eine gefahrlose Wanderung war nicht zu denken. Also drehten wir uns im Bett noch einmal um und liessen den Morgen gemütlich angehen. Nach einer kurzen Wetterrecherche im Internet (ja, für einen klitzekleinen Moment mussten wir online gehen) entschieden wir, trotz des Nebels loszuziehen, da Besserung versprochen wurde. Das Büssli brachte uns auf die Leisalp.

Von dort aus ging es zu Fuss weiter in Richtung der Hanspeterlöcher. Zumindest war das der Plan. Die Sicht wurde zwar immer besser, doch die richtige Abzweigung zu finden, erwies sich als Knochenarbeit – zumal der Pfad nur auf der alten Papierkarte eingezeichnet war. Auf der aktuellen digitalen Karte existiert dieser Weg gar nicht mehr (wir sprachen ja von Digital Detox, nicht von absoluter Abstinenz!).

Weit hinten auf einer windigen Ebene zwischen zwei Felsbrocken assen wir unsere Zopfsandwiches, bestaunten die faszinierend in Wellen geschichteten Steine und erfreuten uns an den seltenen Alpenblumen. Die Hanspeterlöcher hatten wir jedoch noch nicht gefunden, worüber Silvia sehr enttäuscht war. Sie war vor rund 30 Jahren das letzte Mal hier gewesen und konnte sich nur noch vage an die Umgebung erinnern.

An den Felsbrocken, zwischen denen wir assen, entdeckte Antonio ein kleines Loch. Er grub ein wenig darin herum – und tatsächlich kamen kleine Kristallsteine zum Vorschein! Auch das umliegende Geröll funkelte und glitzerte so sehr, dass uns ein wahrer Suchtrausch packte. Wir durchkämmten alles akribisch, um ein paar schöne Spitzchen zu finden. Als eine neugierige Kuhherde vorbeikam, um uns zu begrüssen, waren wir eigentlich bereit für den Rückweg. Doch die Löcher liessen Silvia keine Ruhe: Wo versteckten sie sich bloss? Sie mussten ganz in der Nähe sein – entweder eine Ebene höher oder eine tiefer!

Unten waren sie nicht, wie Silvia nach kurzer Rekognoszierung feststellte. Nach oben war es etwas anstrengend, aber wir stiegen zum Felsband auf unserer Ebene auf. Und tatsächlich: Drei Kluften offenbarten sich uns! Silvia wusste sofort, in welcher ihr Vater einst eine Sprengung durchgeführt hatte, bei der sie als Kind dabei sein durfte. Enthusiastisch krochen wir in die Höhlen und erkundeten die ausgebeuteten Spalten. Da – ein kleiner Kristallspitz! Und gleich noch einer! Die Gier packte uns. Riesenfunde machten wir mit blossen Händen ohne Werkzeug natürlich nicht, aber der Spass war unbezahlbar.

In einer Höhle surrten Bienen umher. Obwohl sie vermutlich nur des Wassers wegen dort waren, überkam uns ein mulmiges Gefühl, unter ihnen tief in den Berg hineinzukriechen. Gesättigt von den vielen Eindrücken wollten wir uns auf den Heimweg machen, als Silvia noch eine Kluft entdeckte – und gleich noch eine! Schlussendlich waren es sechs Kluften. Das Spezielle daran, wie wir später von Silvias Vater erfuhren: Hier lassen sich Quarzkristalle mit seltenen Rutilnadeleinschlüssen finden. Tatsächlich waren unter unseren Fundstücken genau solche Exemplare dabei!

Etwas später auf dem Rückweg rief Antonio plötzlich Silvia zu sich und zeigte auf ein kleines Loch im Boden, das sich ebenfalls als märchenhafte Kluft entpuppte. Überall funkelte und glitzerte es. Der anschliessende steile Abstieg war weder für Antonios noch für Silvias Knie eine Wohltat, aber da mussten wir durch. Zurück an der Matta kochten wir Spaghetti und telefonierten anschliessend mit Silvias Eltern.

Gemütlicher Besuch & Valser Sagen

Dienstag, 28.07.2026

Für den heutigen Tag hatten wir keine grossen Pläne. Vor dem Mittag tauchten Silvias Eltern mit Nichte und Neffe auf. Es wurde gemäht, gekocht, grilliert, gespielt und geplaudert – so richtig gemütlich. Am späteren Nachmittag, als die Gäste wieder weg waren, kümmerte sich Antonio um das Heu, während Silvia die restlichen Kristalle vom Vortag sorgfältig putzte.

Zum Abendessen wurden die Spaghettireste vom Vortag schmackhaft aufgepimpt. Um den Tag ausklingen zu lassen, lasen wir ein wenig. Antonio beendete seine Geschichte im Valserdialekt und erzählte Silvia anschliessend, was mit dem Kannalles bei seiner Himmelsfahrt passierte. Silvia vertiefte sich in den zweiten Band von Haileens Vermächtnis – Götterschatten“, geschrieben von ihrer Kollegin (Künstlername: Alea Hayden).

Lange Biketour & hartnäckige Spinnen

Mittwoch, 29.07.2026

Heute stand für jeden ein eigenes Programm an. Antonio wollte ein paar Caches verstecken. Silvia war mit ihren Eltern, Nichte und Neffe zum Heidelbeersammeln verabredet. Sie fuhr mit dem E-Bike zum Stafelti, merkte dort jedoch rasch, dass der Weg nicht wirklich velotauglich war. So liess sie das Bike am Wegrand stehen und ging zu Fuss nach Gadastatt weiter.

Antonio fuhr unterdessen mit seinem Bike ins Dorf hinunter und auf der anderen Talseite wieder hoch – nur um festzustellen, dass am Zielort doch keine Dose platziert werden konnte! Also ging es wieder runter ins Dorf und auf der anderen Seite hoch nach Zervreila.

Silvia sammelte derweil fleissig Heidelbeeren. Als alle Münder blau und die Eimer voll waren, durften die Kinder noch Kristalle suchen, bevor es im Restaurant auf Gadastatt eine Erfrischung gab. Dort warteten wir auf Antonio, der bei seiner Ankunft eine ordentlich anstrengende Odyssee hinter sich hatte. Die Familie fuhr mit der Gondel ins Tal, während Antonio auf Silvias Rat hörte und mit dem E-Bike über Leis zurück zur Matta fuhr. Silvia wanderte zurück zu ihrem Velo – das inzwischen besetzt war! Eine prächtige Kreuzspinne hatte ein komplettes Netz vom Lenker bis zum Sattel gesponnen. Ein wahres Kunstwerk, das nun leider weichen musste. Hartnäckig hielt sich die Spinne am Lenker fest, und es kostete Silvia viel Überwindung, sie zum Ausziehen zu bewegen (milde ausgedrückt).

aNun musste sie ihr Bike noch das felsige Wegstück hinaufschleppen. Kaum bei den nahegelegenen Hütten angekommen, traf sie auf Antonio, der als wahrer Gentleman eigentlich beim Hochhieven helfen wollte. So lieb! Von da an ging es nur noch abwärts. In der Hängelahütte legten wir eine Pause ein, tranken ein erfrischendes Bergamott-Gazosa und reservierten vier Plätze für das morgige Mittagessen.

Zurück an der Matta trimmte Antonio noch den restlichen Rasen, während Silvia einen Z’Vieri für morgen backte und das Fondue für das Abendessen vorbereitete. Was für ein gemütlicher, gelungener Abend!

Hüttenzauber & Gewitterspektakel

Donnerstag, 30.07.2026

Besuch kündigte sich an! Silvia hatte klar kommuniziert, dass die Gäste nicht vor 10:00 Uhr eintreffen sollten. Punkt zehn Uhr läutete das Telefon: Kathrin und Dani steckten in einer Baustelle fest. Als sie schliesslich ankamen, waren sie heilfroh, die anstrengende Fahrt hinter sich gebracht zu haben – das Navi hatte sie zu allem Überfluss auch noch falsch geleitet.

Nach einem gemütlichen Aperitif spazierten wir zur Hängelahütte, wo wir ein feines Mittagessen genossen. Später schlenderten wir zum „Dorfblick“-Cache und anschliessend zurück zu unserer Hütte. Dort machten wir es uns gemütlich, kühlten uns am Brunnen ab und verbrachten einen wunderbar entspannten, lustigen Nachmittag. Gegen Abend warf Antonio den Grill an, Silvia zauberte leckere Beilagen aus der Küche, und alle schwelgten im Schlemmen, bevor sich unsere Gäste wieder auf den Heimweg machten – nun um die Erkenntnis reicher, dass man dem Navi nicht blind vertrauen sollte.

Später zog ein imposantes Gewitter auf und bescherte uns eine atemberaubende Naturkulisse, bevor es weiterzog. Mit einer feurigen Runde UNO Flip beendeten wir den Tag und schlüpften ein letztes Mal an der Matta ins Bett.

Zufallsbegegnungen & Abschied von den Bergen

Freitag, 31.07.2026

Die letzte Nacht war etwas unruhig – woran es lag, wissen wir selbst nicht genau. Nach dem Aufstehen genossen wir die morgendliche Sonnenseite des Lebens. Zum Mittagessen gab es allerlei Leckeres aus der Restekiste, bevor Silvia langsam mit dem Aufräumen und Packen begann. Antonio verspürte noch keinen Drang zur Abreise. Nach einem Telefonat mit Silvias Mama entschieden wir spontan, später noch auf die Ziegenalp Peil zu fahren.

Als Silvia im Dorf noch Brötchen beim Bäcker holte, traf sie überraschend auf Frau CacheBee und ihre Tochter Cachepirat – was für ein schöner Zufall!
Auf dem Dorfplatz spürten wir jedoch bereits die ersten dicken Tropfen auf der Haut. Ein heftiges Gewitter zog auf. Aus dem Ausflug zur Ziegenalp wurde also nichts und die Eltern blieben ebenfalls lieber zu Hause.

Als sich der Himmel beruhigt hatte, holten wir frischen Käse in der Sennerei und deckten uns im Volg mit regionalen Spezialitäten ein. Auch Ahnis Grab besuchten wir noch; es war von Silvias Mami liebevoll mit wunderschönen Blumen bepflanzt worden.

Zurück im Haus trafen wir die ganze Familie beim UNO-Spielen an und fieberten begeistert mit. Nachdem Antonio noch einmal sein kartenspielerisches Können unter Beweis gestellt hatte, schlug die Stunde des Abschieds. Wir traten die Heimreise an und liessen eine entschleunigte, wunderschöne Woche in der Bündner Natur hinter uns.

Fazit:

Das Abenteuer der Entschleunigung

Die digitalen Medien bewusst links liegenzulassen, war eine unglaublich bereichernde und entschleunigende Erfahrung. Ganz ohne Technik geht es in der modernen Welt zwar kaum – und das muss es auch gar nicht –, aber diese gezielte Reduktion war genau das Richtige zur rechten Zeit.

Von der befürchteten Langeweile fehlte jede Spur. Ob beim Erkunden geheimnisvoller Kristallkluften, beim Beerenpflücken, Werkeln rund um die Hütte oder bei geselligen Stunden mit der Familie und Freunden: Die Tage verflogen wie im Flug. Wir nehmen eine tiefe innere Ruhe, viele funkelnde Bergkristalle und wertvolle Erinnerungen mit nach Hause. Digital Detox auf dem Maiensäss? – Jederzeit wieder!

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