Die Venen zuhause vergessen?

Die Venen zuhause vergessen?

Wenn dir als Patient die Pflegefachfrau(en) leid tun, obwohl sie eigentlich in deinem Armen rumstochern, na dann läuft es nicht so wie es sollte.

Heute war es endlich wieder mal so weit: Eine Kontrolle mit Blutentnahme, Ultraschall und Röntgen im Kantonsspital war auf 8:00 Uhr angesetzt. Es muss nachgeschaut werden, wie es meinem „Günther“, so nenne ich meinen Krebs, der bis dato glücklicherweise nach der Chemo vor nun etwas mehr als drei Jahren von mir verbannt blieb, geht.

Viel zu früh bin ich nach einer etwas unruhigen Nacht aufgestanden, um wiederum viel zu früh im Kantonsspital einzutreffen.

Geister oder doch telepathische Phänomene?

Ich bin immer noch etwas unsicher unterwegs in diesem neuen Kantonsspitalkomplex. So vergass ich doch prompt beim Lift mein Ziel anzugeben! Ja, die Bedienknöpfe befinden sich aussen auf einem Display, werde mich wohl nie daran gewöhnen, dass es im Aufzug selber keine Knöpfe mehr hat! Doch der Aufzug fuhr los und zack, stoppte er doch wie aus Geisterhand im zweiten Stock. Genau richtig. Ist das ein gedankenlesender Aufzug?

Neus Kantonsspital Chur

Über sieben Ecken landete ich im D2 und wurde dort freundlich am Empfang begrüsst. Anschliessend durfte ich auf der bekannten roten Bank platz nehmen, wartend auf die bevorstehende Blutentnahme.

Die rote Bank bei der Onkologie

Pünktlich wurde ich ins Zimmer gebeten und die nette Pflegefachfrau suchte nach einer idealen Vene.

Wenn man nicht fündig wird, kommt Hilfe

Ah, da haben wir doch eine, sagte sie und zack war die erste Nadel gesetzt, doch oh Schreck, da kommt kein Blut, nichts, nicht mal Luft! Weniger als nichts!

So wurde die Nadel wieder rausgezogen und ein neuer Anlauf genommen. „Ich glaube, ich habe die Venen zuhause vergessen, sagte ich scherzend“, doch ihr war es nirgends recht und sie startete einen neuen Versuch. Tja, auch dieser brachte kein Blut ins Röhrchen! Habe ich Rollvenen? Hmm… ist mir neu, aber was soll’s.

Zwei Versuche, dann ist anscheinend Schluss und die nächste Pflegefachfrau darf sich auf die Suche nach einer willigen Vene an meinem rechten Arm machen. Diese kam nun zum Einsatz. Sie begutachtete kurz den Arm, suchte nach einer passenden Stelle und zum dritten Mal gab es einen Piks. Hmm… grosse Augen ihrerseits: „Da kommt nichts?!?“

Erstaunlicherweise gab sie nach dem ersten Versuch auch schon auf und bestellte eine dritte Pflegefachfrau. Auf meine Frage, ob sie es nicht noch ein zweites Mal versuchen wolle, verneinte sie.

Nach kurzer Zeit erschien auch schon, soll ich sagen „das nächste Opfer?“ 🙂 Auch sie schaute sich den rechten Arm mal an, beschloss aber diesen zu schonen und bereitete meinen linken Arm vor.

Ich muss an dieser Stelle wohl nicht erwähnen, dass auch sie etwas Mühe hatte, doch dann war eine Vene angezapft und die ersten drei Röhrchen füllten sich, bis auf das vierte. Da wurde die Pipeline irgendwie unterbrochen. Kurz nachgestüpft und es konnte weitergehen. Ich glaube, es waren dann am Ende sechs Röhrchen voll mit meinem Blut.

Mit mir kann man es ja machen 😉

Als nächstes stand der Ultraschalluntersuch auf dem Plan. Die Suche kann beginnen. Wo muss ich da hin? Mir wurde gesagt, ich müsse einfach mal dem roten Strich folgen, gesagt – getan.

Der rote Strich im Kantonsspital

Falsche Fragen könnten zum falschen Ziel führen

Als ich aber an einem Schalter irgendwo auf dem Weg eine falsche Frage stellte, nämlich „wo ist das Röntgen?“ wurde ich von der roten Linie auf die blaue verwiesen. Zwei mal links dann rechts… oder so!
Mein Fehler fiel mir genau in dem Moment auf, als ich an dem Anmeldeschalter für den Ultraschall vorbeigelaufen war. Nochmals Schwein gehabt 🙂

Warteplatz Ultraschall

Nach nicht mal zweiminütiger Wartezeit wurde ich aufgerufen, um mich dann in der Umkleidekabine oben freizumachen, mich auf den Untersuchungsschragen zu legen und auf den Arzt zu warten.

Als dieser ins Untersuchungszimmer kam, griff er gleich zur „Pistole,“ schmierte genügend Gelee drauf und los ging’s. Er flitzte mit dem Teil hin und her, auf und ab und ich konnte am Bildschirm, trotz seiner Erklärung was er gerade sieht, nichts sehen ausser schwarz-weisse Sachen.

Für ein paar Sekunden Angst und Unsicherheit

Der Atem stockte ein bisschen, als er an einem Punkt etwas länger verweilte und immer wieder zurück ging. Da ist ein Lymphknoten! Er sagte mir, er müsse die Bilder mit denen vom letzten Untersuch vergleichen.

Die ganze Schmiererei fühlte sich kalt an und als er fertig war, durfte ich diese mit einem Tuch abwischen. Alles hab ich nicht erwischt, bemerkte ich aber erst als ich mein T-Shirt wieder übergezogen hatte.

Es ist ein bisschen so wir bei einem Multi beim Geocachen, eine Station nach der andern bis man beim Final ist. Das Finale in diesem Fall wäre die Besprechung mit meinem Arzt 🙂 Oder ist es eher ein Mysterie, weil man das Ende noch nicht kennt?

Vor dem Final kommt aber noch die nächste Station; das Röntgen. Der Weg dorthin war sehr kurz – auf die andere Seite des Flurs 🙂

Auch hier musste ich nicht lange warten und schon durfte ich eintreten. Als die Röntgenfrau mein T-Shirt mit dem loslachen.ch Logo sah, meinte sie, es sei doch besser auch dieses auszuziehen, da die eingestickte Schrift relativ dick sei. Ob das nur eine Ausrede war, weil sie mich oben ohne sehen wollte 😉 🙂 wir werden es nie erfahren.

Manchmal muss es einfach nur Wasser sein

Als auch diese Stage geschafft war, stand nur noch die Besprechung an. Da bis zu diesem Zeitpunkt alles sehr zügig vonstatten gegangen war, hatte ich nun eine längere Wartepause. So beschloss ich den Weg in die Cafeteria zu suchen, hatte ich doch seit 13 Stunden nichts mehr zu mir genommen. Essen ist ja kein Problem, da ich seit Günther in mein Leben getreten ist, die 16/8 Ernährung betreibe. Dies um meinen Zellen die Gelegenheit zu geben sich jeweils selber wieder zu reproduzieren. Aber Wasser, ja das hatte ich dringend nötig. Das es Rhäzünser war, wird Silvia nicht gefallen, aber Valser hat es hier leider keins gehabt.

Kein Valsewasser

Nun gings zur Auflösung der Untersuchungen wieder hinauf ins D2, wo mein Arzt mich gleich in Empfang nahm.

Auch dieses Mal fiel mir ein Stein vom Herzen, als er sagte:
„Alle Blutwerte sind gut.“ Doch dann folgte: „Aber das mit dem Lymphknoten! Da muss ich noch kurz telefonieren.“

Und schon wieder lange Sekunden

Es dauerte real zwar nicht so lange bis er eine Antwort bekam, aber es ist sicherlich unnötig zu erwähnen, dass dies für mich eine halbe Ewigkeit war. Als auch das mit einem „alles gut“ zu meinen Ohren drang, war die Welt wieder in Ordnung und ich konnte ab sofort wieder durchatmen.

Glücklich aber dennoch geschlaucht als ob ich einen halben Marathon gelaufen wäre, ging’s heimwärts.

Was mich sehr gefreut hat ist, dass so viele Leute mir die Daumen gedrückt und Glück gewünscht haben nachdem ich folgendes Foto auf meinem WhatsApp Status gepostet hatte. Vielen lieben Dank, ihr seid spitze!

Und zur Feier des Tages lassen wir uns im Giessenpark in Bad Ragaz bei einem WohnmobilDinner verwöhnen. Wie es war findest du auf dem nächsten Blogeintrag. –>Hier

Alles über Günther kannst du unten nachlesen wenn du auf die Links klicks.

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  1. Pingback: WohnmobilDinner zur Feier des Tages - loslachen.ch

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