Der letzte Ferientag

Eigentlich wollte Antonio an seinem letzten Ferientag noch ein wenig raus an die Sonne, doch als Silvia am Mittag nach Hause kam, war er noch immer dort. War das Wetter nicht gut genug? Oder hatte er keine Idee, wo er hin könnte? Oder hatte er einfach auf Silvia gewartet?

Silvia war erstaunt Antonio am Mittag zu Hause anzutreffen. Sein Plan wäre es gewesen, mit der Luftseilbahn nach Brambrüesch zu fahren und von dort aus eine Wanderung, natürlich geführt von Geocaches, zu unternehmen.
Die Bahn habe Zwischensaison, was so viel heisst, dass sie nicht läuft, das war die Antwort auf die Frage, warum er noch zu Hause sei. Er wollte sie zum 10 1/2 Jubiläum aber irgendwo in ein Restaurant einladen, was erklärte, warum er nichts gekocht hatte. Das Lokal musste aber sie auswählen. 

Hm….Gastokantine, war ihre Wahl, worüber er erst mal etwas die Stirn runzelte. Er lädt sie in ein Restaurant ein und sie wählt eine Kantine aus? „Da war ich noch nie.“ Lautete ihre Begründung, die eigentlich ganz plausibel war. Also machten sie sich auf den Weg, mit dem Ziel später vielleicht noch zusammen nach Brambrüesch zu fahren. Kaum war das Auto vor der Kantine abgestellt, kam Andre angefahren. Was für ein cooler Zufall, dass er genau heute auch dort essen geht. Zusammen verbrachten wir die Mittagspause und genossen die gute Küche der Gastrokantine.

Wieder zurück im Auto, blickten wir nochmal kurz auf den Berg, den wir gleich anfahren wollten, doch wir konnten ihn gar nicht richtig sehen, da er von dicken Nebelschwaden umgeben war. Na toll und da wollen wir hin?!?
Wir hatten keine Lust uns unseren Plan einfach so vom Wetter versauen zu lassen, weswegen wir einfach mal hochfahren wollten um die Lage vor Ort nochmal zu beurteilen.

Der erste Eindruck hatte nicht gelogen, so dass wir nun mitten im Nebel standen. Kalt war es auch ein wenig. Nicht grad das Wanderwetter aus dem Bilderbuch. Nach einigem Hin und Her kamen wir erneut zum Schluss, uns unseren Plan nicht vom Wetter versauen zu lassen und so marschierten wir bewaffnet mit iPhone, Fotokamera, iPad und Stift los. Ein Messer wäre vielleicht auch noch hilfreich gewesen um den dicken Nebel aufzuschneiden, aber das hatten wir nicht dabei und so kämpften wir uns mit dem Navi von Cache zu Cache. Diese waren so toll, dass es auch so Spass machte im Nicht umherzuwandern. Zudem war es recht spannend nichts zu sehen und plötzlich vor einem Haus oder einem Wald zu stehen, der ein paar Sekunden zuvor noch nicht sichtbar gewesen war.

Silvias Haare waren schon bald tropfnass, so als ob sie gerade aus der Dusche kommen würde und das, obwohl es weder regnete, noch hatte sie geschwitzt, nein, der Nebel war es, der so viel Feuchtigkeit in ihre Haare zauberte.

Nach ein paar Dosen mussten wir eine Entscheidung treffen: Wollen wir eine gemütliche Tour haben und die Runde von Siebasiach weiter abwandern, oder wollen wir noch einen Abstecher mit ca. 500 zusätzlichen Höhenmetern und mindestens einer Stunde Zeitverlust zurLady Patricia, dem vor 74 Jahren abgestürzten Flugzeugfrack, machen? – Eigentlich war für beide die Entscheidung klar, nur blöd, dass diese nicht einheitlich war. Silvia wollte, wie es auch vernünftig bei diesem Wetter wäre, einfach die Runde ablaufen. Antonio hingegen zeigte deutlich seine Begeisterung für den Abstecher. Silvia willigte ein, im Wissen, dass das eigentlich eine Schnapsidee ist. Auf dem Weg legte sie sich noch das zweite Ei, indem sie sich erinnerte, dass doch dort noch irgendwo ein weiterer Cache sein müsste. Antonio hatte diesen nicht runtergeladen und wusste nichts davon, erst als sie darauf beharrte online nachzuschauen, zeigte sich der Schlingel noch ein paar hundert Höhenmeter weiter oben. Ja super! Also stiegen wir auf den  Furggabüel (GC6MA33), in der Hoffnung vielleicht noch ein kleines, kurzes Strahlen der Sonne zu erwischen.
Erst mal war aber ein Schneefeld angesagt, wie gross es ist konnten wir nicht sehen. Eigentlich konnten wir gar nichts sehen, da der Nebel uns noch immer treu umgab. Das Schneefeld war nicht sehr gross, trotzdem mussten wir die Schuhe im Anschluss auskippen, da wir keine nassen Füsse wollten. Plötzlich standen wir vor einer Sesselbahn. Antonio dachte, schon oben angekommen zu sein, doch es war erst die untere Station der Bahn und wie man sich denken kann, fuhr diese natürlich nicht. Schade, die hätten wir gerne genommen.

Jenu, so mussten wir halt aus eigener Kraft weiter in die Höhe steigen. Noch hundert Meter lagen vor uns, als ein dickes Schneefeld uns den Weg versperrte. Hm….jetzt können wir eh nicht mehr aufgeben und schon zeigte sich ein schmaler Grad, auf welchem kein Schnee lag. Bald schon standen wir dann oben. Schnell, rief Antonio und so eilten wir an den obersten Punkt, um dort noch kurz in die Sonne zu schauen. Sie zeigte uns kurz das Panorama der Gegenseite, was einfach grandios war! Einige Sekunden unendlichen Genusses, bevor wir wieder eingehüllt waren. Ohne Navi wären wir völlig orientierungslos gewesen.
Noch einmal enthüllte sich kurz die Sicht, schloss sich aber gleich wieder, so dass wir beschlossen uns nach dem Cachefund wieder an den Abstieg zur  The Lady Patricia – Crash Cache (GC2GQX9) zu machen.

 

Weit wäre es ja nicht gewesen, aber dem Schnee konnten wir diesmal nicht mehr ausweichen, so dass die Schuhe bald gefüllt davon waren, was sich ziemlich nass und unangenehm anfühlte. Auch die Alpenrosen, auf welchen wir rumtrampelten boten nicht gerade den sanftesten Abstieg. Dafür konnten wir sie nun sehen, die Lady Patricia oder eben das, was noch übrig war von ihr. Ein Gedenkstein und ein paar wenige Überreste. Voller Freude, es endlich geschafft zu haben, diese jahrelange Pendenz endlich abgearbeitet zu haben, stiegen wir wieder hinunter, zurück zum kleinen See, an welchem die Runde wieder weiter ging.

Nun mussten wir uns langsam aber sicher beeilen. Bald würde die Dämmerung einsetzten und unsere Taschenlampen lagen im Auto. Also los….ein Cache nach dem anderen wurde angepeilt. Und jedes Mal staunten wir über die tollen Verstecke.

Auf dem Spundiskopf suchten wir lange, bis der kleine Petling sich endlich zeigte und von Aussicht war da natürlich schon gar nichts zu sehen. Wir hätten ja eh keine Zeit gehabt, diese noch zu geniessen und so stachen wir in den düsteren Wald, der sich schleichend zu verdunkeln begann. Ein Cache,  Jail (GC7ATPY), bei dem wir auch noch etwas rumtüfteln mussten….hmmm….wäre ja eigentlich total cool, nur war’s uns grad nicht so genehm noch lange rumzuprobieren. Der Owner half uns auf die Sprünge und so hatten wir die clever verborgene Dose auch schon bald in unseren kalten Händen. Auch die letzte Dose, Verirrte Post (GC7ATP9), versteckte sich hartnäckig und musste erst verdient werden.

Nun waren wir froh fertig zu sein und aus dem dunkeln Wald zu kommen. Auf dem Weg konnten wir wieder etwas gemütlicher zum Auto spazieren. „Fällt dir was auf?“, fragte Antonio. „Der Nebel ist weg.“ Tatsächlich, dieser hatte sich pünktlich zum Ende unserer Reise aufgelöst. Das ist ja ein Schlingel!

Ein leckeres Abendessen hatten wir uns nun verdient. Danach freuten wir uns auf eine warme Dusche und die gemütliche warmen Stube.

Schön war’s!

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