20. Mai 2026

Mit Velo und Skates auf Tour

Ich und eine lange Velotour? Wer hätte das gedacht! Aber versprochen ist versprochen – und genau dieses Versprechen habe ich letzten Sommer gegeben.

An einem warmen Sommertag war ich mit meiner Freundin spazieren. Irgendwann kamen wir auf das Thema Skaten zu sprechen. Sie erzählte mir, dass sie schon lange einmal bis an den Bodensee skaten wollte. Das Problem: Niemand hatte Lust, sie auf dieser langen Strecke zu begleiten.

Ich musste zugeben, dass ich mir diese Distanz auf Skates auch nicht wirklich vorstellen konnte. Mit dem Fahrrad hingegen schon eher. Und so entstand ganz spontan das Versprechen, diese Reise im Jahr 2009 gemeinsam zu unternehmen.

Spontaner Start

Am 22. April war es dann tatsächlich so weit – und das Ganze ziemlich spontan. Die Wetterprognosen waren perfekt, also entschieden wir kurzerhand: Heute fahren wir los.

Viel brauchten wir nicht. Ein kleiner Rucksack mit Kleidern, Zahnbürsteli, Pflaster, Reparaturmaterial für die Reifen, Wasser und ein paar Stärkungsriegel für unterwegs. Mehr kam nicht mit.

Also: ab aufs Velo und los geht’s!

Startpunkt Bad Ragaz

Die Skate-Route beginnt erst in Bad Ragaz, weil es leider erst von dort an einen durchgehend geteerten Belag gibt.

Also luden wir alles in unseren Bus und machten uns auf die Suche nach einem Parkplatz in der Umgebung. Fündig wurden wir schliesslich in der Nähe von Fläsch, nicht weit vom Rheindamm entfernt.

Natürlich habe ich so parkiert, dass man die Werbung von loslachen.ch gut sehen konnte. Rückblickend war dieser Parkplatz allerdings – wie du später noch lesen wirst – nicht unbedingt die beste Wahl.

Punkt 12 Uhr mittags starteten wir unsere Tour.

Gehofft hatten wir natürlich, dass uns der Wind ein wenig anschiebt. Leider hatte er andere Pläne – statt Rückenwind bekamen wir ihn direkt von vorne. Entsprechend anstrengend wurde die Fahrt, und jeder Kilometer fühlte sich ein bisschen länger an als gedacht.

Zwischendurch hiess es immer wieder kurz anhalten und alles nachziehen. Nicht, dass sich irgendwo eine Schraube löst und man am Ende noch stolpert. Das wäre wohl das letzte gewesen, was wir auf dieser Tour noch gebraucht hätten.

Und schon ging es weiter.

Immer dicht hinter mir: die schnelle Skaterin 🙂

Egal wie anstrengend es wurde – Silvia war kaum aus der Ruhe zu bringen.

Doch nach etwa eineinhalb Stunden war auch sie froh über eine kurze Stärkungspause. Also kurz anhalten, etwas trinken, einen Riegel essen und wieder zu Kräften kommen.

Ob da vielleicht schon die ersten Zweifel aufkamen, ob diese Idee wirklich so gut war?

Wenn man sich die Bilder anschaut, könnte man zumindest auf diesen Gedanken kommen.

Ein bisschen Mitleid hatte ich natürlich schon. Aber eigentlich brauchte sie das gar nicht – und die Pause tat uns beiden richtig gut! ?

Und was ist denn hier los? Ich warte schon auf der anderen Seite der Hauptstrasse – und sie steht immer noch oben?

Das kommt davon, wenn man nicht unten durchfährt (wo eigentlich auch der offizielle Weg wäre), sondern lieber eine stark befahrene Strasse überqueren will. 

Nach mehr als einer Stunde Fahrt mit Gegenwind gab es dann eine weitere kurze Pause. Auf den Bildern sieht es noch so aus, als wäre alles im grünen Bereich. Und eigentlich war es das auch noch – mehr oder weniger. 

Die nächste Etappe hatte es in sich.

Der Gegenwind blieb uns treu, die Strassen waren teilweise schlecht und voller Schmutz – wirklich ideale Bedingungen sehen anders aus.

Trotzdem zog sie fast zwei Stunden am Stück durch, bis wir in Diepoldsau ankamen. Dort war dann erst einmal Schluss: kurz hinlegen, durchatmen und Kräfte sammeln.

Als wir die Route nochmals anschauten, wurde uns allerdings schnell klar:

Bis zum Gasthaus, in dem wir übernachten wollten, lagen noch rund zwei Stunden vor uns.

Da hatte ich es mit dem Fahrrad schon deutlich einfacher – auch wenn mein Hinterteil schon seit längerem zu protestieren begann. Natürlich habe ich mir nichts anmerken lassen.

Zum Glück wusste ich, dass in der Nähe ein Restaurant sein müsste, denn unser Proviant war fast aufgebraucht. Entlang der Route gab es leider keine Einkehrmöglichkeiten, also entschieden wir uns für einen kleinen Umweg.

Belohnt wurden wir mit einem Eistee und einem herrlich knusprigen Nussgipfel – genau die kleine Stärkung, die wir nach dem Gegenwind und den schmutzigen Strassen dringend gebraucht hatten.

Von da an hatten wir ziemliche Mühe, die richtige Route zu finden, weil sie kaum noch für Rollerblades markiert war – nur noch Fahrradwege waren beschriftet.

Und dann kam, wie es kommen musste: plötzlich standen wir vor einem Kiesweg!

Es gab also nur zwei Möglichkeiten:

  1. Sie geht den Weg zu Fuss,
  2. Wir kehren um und suchen einen anderen Weg.

Ich entschied mich fürs Rekognoszieren, um zu sehen, wie weit der Weg ungeteert war. Es waren nur ein paar hundert Meter bis zur Hauptstrasse. Also ging ich zurück, holte meine Silvia mit dem Fahrrad ab (ich trampelte, sie sass auf dem Sattel) – das war so lustig, schon fast filmreif!

In Rheineck angekommen, suchten wir unser ursprünglich ausgewähltes Gasthaus. Optisch gefiel es uns jedoch nicht, und wir beschlossen spontan, eine andere Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Fündig wurden wir im Hotel Hecht Rheineck, das auch zu den Beherbergungspartnern der Stiftung Schweiz Mobil gehört – die für Wander-, Boots-, Fahrrad- und Inline-Routen sowie vieles mehr zuständig ist.

Um 19 Uhr konnten wir endlich unser Zimmer beziehen, eine heisse Dusche geniessen und dann unseren Bärenhunger in einem romantischen Restaurant stillen.

Tag 2: Endspurt zum Ziel – Rorschach am Bodensee

Nach einem ergiebigen Frühstück nahmen wir die letzten Kilometer in Angriff. Wir konnten es richtig gemütlich angehen lassen, da unser nächster Termin erst am Abend um 19 Uhr zum Grischa Biker Hock in Chur war.

Auch an diesem 23. April zeigte sich der Frühling von seiner schönsten Seite – die Natur strahlte in sattem Grün und die Sonne lachte uns entgegen.

Nach etwa eineinhalb Stunden hatten wir das Ziel dann teilweise erreicht.

Am Bahnhof hiess es zuerst: umziehen und die Inliner sowie das Fahrrad sicher deponieren – schliesslich stand nun das bevor, auf das Silvia schon lange gewartet hatte:

Endlich konnten wir über die Promenade am Bodensee rollen! Die Sonne spiegelte sich im Wasser, die Möwen kreisten über uns, und das frische Frühjahrsgrün rund um den See machte alles perfekt. Silvia strahlte – nach all den Kilometern Gegenwind, holprigen Wegen und kleinen Umwegen war das pure Freude.

Jeder Schritt, oder besser gesagt jeder gleitende Schwung auf den Inlinern, fühlte sich wie eine Belohnung an. Wir genossen das leichtfüssige Dahingleiten und die Aussicht auf das glitzernde Wasser – ein Moment, der die Strapazen der letzten zwei Tage sofort vergessen liess.

Und dann kam der magische Moment: Silvia hielt ihre Hand in den Bodensee – ganz aus eigener Kraft erreicht! Ich war mächtig stolz auf sie. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass sie das schafft – vor allem, weil sie in diesem Jahr bis dahin erst zwei Mal auf den Rollen gestanden hatte.

Man konnte richtig sehen, wie überglücklich sie war. Dieses strahlende Lächeln und das Funkeln in den Augen – Momente wie diese machen jede Anstrengung der Tour sofort vergessen.

Die Mission war erfüllt! Nun stand nur noch ein gemütliches Durchschlendern durch Rorschach auf dem Plan – und ganz wichtig: eine Sorrykarte für ein befreundetes Pärchen, das sich grosse Sorgen um mich gemacht hatte. Schuld daran war mein etwas unglücklich gewählter Parkplatz für den Loslachen.ch-Bus – und dass ich ihnen nicht Bescheid gesagt hatte, dass ich Ferien hatte.

Da Silvia und ich schon vor 23 Uhr im Bettchen lagen, haben wir die dutzenden Anrufe gar nicht mitbekommen.

Also noch einmal ein grosses Sorry an euch zwei!

Zum Abschluss gibt es noch ein paar Bilder vom Bodensee, bevor wir die Rückreise mit dem Zug antraten – Erinnerungen, die diese zwei Tage unvergesslich machen.

Vielen Dank, meine Liebe! Es hat wirklich riesigen Spass gemacht.

Wer weiss, ob wir so etwas Ähnliches irgendwann nochmal zusammen erleben werden? Frühestens wohl wieder im Herbst oder nächsten Frühling, wenn es nicht mehr so warm ist.

Fazit

Zwei Tage, viele Kilometer, Gegenwind, Kieswege, kleine Pannen – und dennoch unvergessliche Momente. Wir haben nicht nur den Bodensee erreicht, sondern auch gezeigt, dass man mit Teamgeist, Humor und ein bisschen Durchhaltevermögen alles schaffen kann.

5 Kommentare zu „Mit Velo und Skates auf Tour

  1. War wirklich eine coole Tour, auch wenn ich ganz schön gelitten habe…..Danke, dass du mitgekommen bist und auch vielen Dank für den super Bericht zur Erinnerung 🙂

    Gibt ja noch 2-3 weitere inlinstrecken, falls wir wieder mal lust auf strapazen haben…. 😉

  2. hm….nu werd i meh gforderet als er……und grad jedi wuche mag nit so strapaze uf mi neh….aber wenn er bir nögschte tour im Kombi ko wür, denn wür sich das villicht akli usdehna dur die viel bewegig 😉

  3. @era
    wer weiss…
    manchmal hätte ich schon lust auf eine wiederholung,
    vielleicht könntest du dich ja mal überwinden so was mit dem fahrrad zu machen.

    @maggie
    i han denn kei atemnot, gset nu so us und era…
    … ganz sicher kom ich nie im kombi mit 😛

  4. hmmmm…..ich mit dem Fahrrad???? hm….. na da brauchst du aber ne grosse Portion überredungskunst um das hinzukriegen….
    mit den Inlinern komm ich sofort wieder mit ;-)(obwohl ne kürzere Strecke auch reichen würde)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert