Krebs oder Calanda?


Nun ist sie gekommen, die Woche 38.
Am Dienstag stand der erste „Einjahresuntersuch“ an. Dies ist eine etwas grössere Angelegenheit als die dreimonatigen Kontrollen. Man bekommt da eine ganz schöne Portion an diversen Strahlen ab.
Das Resultat der Untersuchung stand am Donnerstag auf dem Programm und am Samstag sollte der Berg vor unserer Nase fällig sein, der Calanda mit seinen 2805 m ü.M.

Ob alle unsere Hoffnungen, Termine und Wünsche in Erfüllung gegangen sind, und ob wir es noch rechtzeitig zum vereinbarten mini Beiz dini Beiz Abendessen geschafft haben?
All dies und noch viel mehr wirst du in diesem Bericht erfahren. 

Nach einer mehr oder weniger guten Nacht, hatte ich um 8:00 Uhr den ersten Termin im vierten Stock in der Onkologieabteilung.
Wie immer wurde ich sehr freundlich in Empfang genommen und gleich mal auf das bekannte rote Bänkli verwiesen, um dort auf die Blutentnahme zu warten.

Lange musste ich nicht warten und schon wurde ich in ein Zimmer gebeten. Es wurden sehr viele „Werkzeuge“ bereitgelegt. Es sah fast so aus, als ob ich gleich eine OP hätte!
Ok, dazu fehlten zum Glück die Skalpelle und Pinzetten 🙂

Dafür wurde mir auf dem Handrücken eine grosse Nadel gesteckt und schon floss mein Blut ins erste Röhrchen. Das erste Mal wurde es mir ein bisschen anders und ich spürte den kalten Schweiss auf meiner Stirn.
„Nein bitte nicht!“, tief durchatmen war angesagt und nachdem das dritte Röhrchen gefüllt war, ging es mir auch schon besser. Mit der gesteckten Nadel durfte ich runter zum MRI.

Ich war viel zu früh dran, doch das war gut, denn ich musste die Abteilung erst mal suchen.
Mit Schrecken hab ich festgestellt, dass das MRI und das PET-CT nicht das selbe ist!

Ich konnte mich einfach nicht daran erinnern, schon mal hier im MRI gelegenen zu haben. Kein Wunder, wenn ich noch nie da war!

Mir wurde von dem gutgelaunten Personal alles erklärt und nun war mir klar warum ich nie verstanden hatte, dass alle immer gesagt hatten, im MRI sei es so laut.

Als ich die etwas spezielle, etwas gstabige, blaue, aus Papier gefertigte Hose und das dazu passende Oberteil anhatte, ging’s los und man begleitete mich zum MRI Gerät, wo mir die Vorgehensweise sehr gut erklärt wurde.

Ich wurde darauf hingewiesen, dass es etwas laut wird, also eben anders als beim PET-CT. Ausserdem bekäme ich auch Kopfhörer auf die Ohren mit Musik.

Dem war auch so und so laut war es nun auch wieder nicht. Ich lies das ganze Prozedere über mich ergehen und war froh, dass die Atempausen, die ich einlegen musste nicht dazu führten, das ich blau angelaufen bin 🙂 Auch das Kontrastmittel, welches sie mir verabreicht hatten, fühlte sich ganz anders als das vom PET-CT an. Meine Blutbahnen konnte ich nicht mit dem heiss werden verfolgen. Dieses Mal war es eher kühl und nicht so unangenehm.

Nach ca. 20 Minuten war der Spuk schon wieder zu Ende.
Doch oh Schreck! Die Onkologieabteilung wollte mich noch eimal sehen. Mein vorhin abgezapftes Blut wollte sich nicht untersuchen lassen und so wurde ich gebeten mich nach dem bevorstehendem Röntgentermin nochmals im vierten Stock zu melden. Also haben sie mir die Infusion auch noch an der Hand gelassen.

Auch bei der Röntgenabteilung ging alles sehr schnell und ich konnte dieses Terrain verlassen. Nein nicht unbedingt gerne, weil ich ja nochmals zur Blutentnahme musste!

Oben angekommen durfte ich nochmals kurz auf dem roten Bänkli absitzen. Heute war dieses gut besetzt, bis ich gebeten wurde im kleinen Kämmerchen auf dem Stuhl Platz zu nehmen.

Tja, das ging ganz zackig und mir wurde dieses Mal auch nicht komisch 😉 und schon waren die Röhrchen gefüllt.

Gut, nun musste das Pflaster entfernt werden, welches die Infusion bis zu diesem Zeitpunkt gehalten hatte! Oh menno! Hätte ich doch da die Haare rasieren lassen. Das langsame Abziehen war nicht wirklich angenehm aber was soll’s; „ein echter Indianer kennt keinen Schmerz“, sagt man doch, oder? Dummerweise bin ich aber kein Indianer 🙂

Ich fühlte mich richtig geschwächt und freute mich auf die Cafeteria. Man sagte mir beim MRI, ich solle danach was Süsses zu mir nehmen. Nichts lieber als das 🙂 Ein Latte und ein riesen Gipfel mit Aprikosenfüllung war’s, was mir zu einem kurzen Powerschub verhalf. Dieser dauerte nicht lange und schon hatte ich den zweiten Latte und ein Mandelgipfel vor meiner Nase 🙂
„Ach ist das Leben herrlich“, dachte ich mir, währenddem ich das Znüni genoss.

Als ich mich genug gestärkt fühlte, spazierte ich wieder zum Auto und fuhr damit direkt nach Hause.

Ich fühlte mich immer noch schwach und legte mich mal aufs rechte Ohr und döste eine Runde. Die Runde dauerte schon ein paar Stunden, tat aber unglaublich gut.

Nun hiess es warten bis es Donnerstag wird. Dann steht die Besprechung mit Dr. Schwitter an und wir erfahren, wie es nach fast einem Jahr mit Günther steht.

Donnerstag 20.09.2018

Heute ist also wieder mal der Tag der Wahrheit.
Silvia und ich sollten heute erfahren wie’s mit mir, respektive mit Günther steht.

Als Erstes hatte ich aber einen Termin bei meinem Physiotherapeuten, um meine einzige spürbare Nebenwirkung der Chemo, Polyneuropathie, zu behandeln.

Mein Schatz wartete bereits in der Cafeteria auf mich als ich fertig war. Zusammen machten wir uns auf den Weg in den vierten Stock zur Besprechung.

Nach einer kurzen Wartezeit mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, wurden wir vom Doktor ins Besprechungszimmer gebeten.
Dort wurden dann die üblichen Fragen gestellt und dann auch endlich das Resultat der Untersuchung  preisgegeben.
Dieses war sowas von positiv, so dass man die Steine auf den Herzen, vor allem die von Silvia, bis ins Erdgeschoss gehört hat, als sie runtergefallen sind 🙂 Alles ist gut; ich bin gesund! Die Restvernarbungen sind sogar noch kleiner geworden. Weg ist er also, der Günther…Juhuuu! 🙂

Nach ein paar Abtastuntersuchungen durften wir uns überglücklich zu einem sehr leckeren Mittagessen in die Kantine verschieben, um danach wieder in den Alltag zu schlüpfen.

Da Silvia am heutigen Tag auf den Schulausflug auf den Calanda wegen mir verzichtet hat, haben wir die Wanderung auf den Samstag vorgemerkt.

Samstag 22.09.2018

Schon seit Jahren sprechen wir davon, dass wir irgendwann auf den Calanda wandern wollen. Natürlich motiviert durch einen Geocache.

Diese Woche hätte Silvia die Möglichkeit gehabt, auf die Herbstwanderung mitzugehen und so den Berg zu erklimmen. Alles lag bereit und sie freute sich schon sehr darauf, als plötzlich am Vortag verkündet wurde, dass die Wanderung verschoben wird. Am Verschiebedatum konnte sie nicht mitgehen und so beschlossen wir, halt einfach am Samstag auf diese Tour zu gehen.
Bei unserem Spezialisten für Wetterangelegenheiten, ady73, versicherten wir uns, ob wir keine Dummheit begehen, wenn wir diesen Tag dafür auswählen. Er bestätigte, dass es ok sein sollte, wenn auch nicht perfekt.

Am Freitagabend reisten wir, zusammen mit unserer Zweitwohnung, auf die Vazer Alp. Dort übernachteten wir bei starkem Wind und leichtem Regen. Entsprechend gut haben wir geschlafen, wie man sich vielleicht vorstellen kann.

Um 8:30 Uhr stand Silvia auf (ja, Silvia 😉 ) und schaute sich das Wetter an. Hm….Nebel. Auf dem iPad kontrollierte sie dessen weiteren Verlauf und sah, dass sich dieser auf dem Gipfel am Mittag aufgelöst haben sollte. Also weckte sie Antonio, der sich lieber noch einmal drehte. Erst als sie ihn an den Termin von 18:00 Uhr erinnerte, dann sollten wir fürs Abendessen mit den MiniBeiz-DiniBeiz – Kollegen in Ilanz sein, sass er augenblicklich im Bett und stand sofort auf. Den Termin hatte er kurzzeitig vergessen gehabt.
Um 9:15 Uhr starteten wir unsere Wanderung bei Nebel. Ca.1:30h später standen wir bei der Calandahütte und bestaunten das traumhaft schöne Nebelmeer unter uns.

 

Nach einer Kaffeepause nahmen wir den Aufstieg in Angriff. Nach genau 2h, teilweise ganz schön anstrengender Wanderung und gelegentlichen Fotopausen, standen wir auf dem Gipfel.
Einfach traumhaft dieser Ausblick! Auf alle Seiten konnten wir sehen, zumindest kurzzeitig, von Sekunde zu Sekunde änderte sich das Bild, da der Nebel ein herrliches Schauspiel veranstaltete. Besser hätten wir es gar nicht treffen können. Nur der heftige Wind war etwas ungemütlich. Trotzdem bastelten wir zwei leckere Sandwiches aus den mitgebrachten Sachen und genossen das Picknick.

Was für Glückskinder wir doch sind! Wir stehen hier oben auf diesem Gipfel und blicken in die wunderbare Weite über all diese schönen Täler, beide sind wir gesund und glücklich.
Ziemlich genau ein Jahr ist es her, als Antonio im Spital lag mit der Krebsdiagnose, die uns wie ein Schlag getroffen hat. Und jetzt, eine Woche bevor sich das Ganze jährt, kann er wieder problemlos hier hochsteigen. Ein Wunder für das wir unendlich dankbar sind!

 

Wieder zurück aus unserem Schwelgen in diesen Gedanken, kam uns in den Sinn, dass wir noch eine Mission hatten. Jene, die uns überhaupt motiviert hatte, hier hochzuwandern: der Cache. Dank der punktgenauen Koordinaten, konnten wir ihn gut finden. Der Wind tanzte immernoch ganz wild um unsere Ohren. Antonio kritzelte schnell unsren Namen ins Logbuch und legte, den Coin hinein, den wir aus dem Pin, den wir auf der Albignahütte bekommen hatten, gebastelt haben. Mit halb gefrorenen Fingern  eilten wir zügig wieder ins windstillere Gebiet. In einer Nische kam uns ein Wanderer entgegen, der sich direkt nach dem Kreuzen, den Fuss zwischen zwei Steinen eingeklemmt hatte und in Panik geriet. Antonio konnte ihn beruhigen und zog seinen verklemmten Fuss vorsichtig heraus. Phu, alles war wieder gut, Glück gehabt. Aber da sieht man mal wieder, wie schnell es gehen kann, dass etwas unvorhergesehenes passieren kann.

Antonio wagte einen Blick über die Felsen. Er musste etwas ganz tolles sehen, vielleicht ein Steinbock, dachte Silvia, als er sie voller Begeisterung zu sich rief. Aber da war kein Steinbock. Es war etwas, was wir beide noch nie gesehen hatten. Ein ganz spezielles Lichtphänomen, dass etwas magisches an sich hatte. Jeder sah seinen Kopf in einem kleinen Regenbogenkreis, aber jeder konnte nur sich selber sehen. Auch als wir uns um ein paar Meter verschoben, war das Ganze noch genau gleich da. Was das wohl sein mag? Ein Zeichen von höherer Macht? Will es uns etwas sagen? Oder einfach ein zufälliges Sonnen-Nebelspiel?

Wie auch immer, wir genossen es sehr, dieses spezielle Ereignis erleben zu dürfen. Doch dann war es wirklich Zeit für den Abstieg, der ebenfalls von Nebel und Sonnentänzen begleitet wurde und uns eine ständig wechselnde Kulisse bot.
Erneut suchten wir die Calandahütte auf, vor welcher wir uns nochmal eine kurze Kaffepause, ergänzt mit leckerer, hausgemachten Linzertorte gönnten.
Für den weiteren Abstieg entschieden wir uns, die andere Route, welche über Wolfegg führte, zu nehmen. Silvias Knien hätte die andere Route besser gefallen doch von der Aussicht her war es hier fast schöner.

 

Beim Auto angekommen merkten wir, dass wir unseren Termin in Ilanz nicht einhalten können und benachrichtigten die anderen über unsere Verspätung. Zu Hause gab es eine kurze, aber sehr wohltuende Dusche, bevor wir dann zügig zum Abendessen fuhren, wo wir natürlich bereits erwartet wurden. Ein sehr gutes Wildessen in wunderbarer Gesellschaft schloss den Tag würdig ab.

Die ganze Geschichte von unserem Schicksal kannst du chronologisch mit den unten aufgeführten Links nachlesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.